Cover Das rote Adressbuch vor grauem Hintergrund mit Malve

Sofia Lundberg: Das rote Adressbuch

Bereits auf der Frankfurter Buchmesse 2018 fiel mir Sofia Lundbergs „Das rote Adressbuch“ als Empfehlung in die Hände. Ich weiß gar nicht genau, warum zu diesem Zeitpunkt ein regelrechter Hype in meinem Umfeld zu genau diesem Roman ausbrach. Fakt ist, ich habe fast zwei Jahre gebraucht, um es endlich in den Händen zu halten und Zeit zu finden, es zu lesen. Gehört hatte ich tatsächlich sehr viele, verschiedene Meinungen, von hochgelobt bis enttäuscht. Ich kannte zu diesem Zeitpunkt lediglich den Klappentext…

Die Menschen einer Lebensgeschichte

Doris bekommt von ihrem Vater als kleines Mädchen ein rotes Adressbuch geschenkt, in dem sie zukünftig alle Menschen verewigt, die ihr etwas bedeuten und ihr Leben formen. Als sie nun im hohen Alter weiß, dass ihr Ende bald kommt, beschließt sie ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben und jede Person aus dem Adressbuch zu erwähnen. Der Leser taucht so einerseits in Doris´ Leben ein, reist durch die Welt, trifft interessante Charaktere, aber er wird auch Zeuge ihrer letzten Tage, die plötzlich rasend schnell davon eilen. Nun gibt es jemanden, den sie seit ihrer Jugend nicht vergessen konnte, doch nur eine Person kann ihr helfen, ihn ein letztes Mal zu sehen.

Emotionale Memoiren zum Nachdenken

Beim Lesen vergas ich stellenweise, dass es sich um eine fiktive Lebensgeschichte handelt. So viel Tiefgang, so viele Inhalte und persönliche Schicksale hatte ich nicht erwartet. Dazu kamen die geschichtlichen Bezüge, wie z.B. der zweite Weltkrieg, der Doris´ Leben so einen krassen Wendepunkt gab. Selbst die Passagen, in denen es um die Liebe ging, und dabei meine ich nicht kitschig dahergefaselte Episoden, sondern die, die unter die Haut geht und beim Lesen Mitfiebern lässt, waren nicht pathetisch und kitschig. Ein weiteres Plus ist die Kapitellänge, die kurzweilig geschrieben sind und die Geschichte, die in zwei Handlungssträngen spielt, schnell Fahrt aufnehmen lassen. Einzig einige Dialoge schienen mir sprachlich sehr konstruiert und nicht unbedingt zeitgemäß.

Ich habe tatsächlich ein paar Tränen vergossen. Mir gingen vor allem die Passagen sehr nahe, als die gegenwärtige Doris mit dem Tod ringt und man genau weiß, der Leser wird hier Zeuge ihrer letzten Tage und begleitet sie bis zum Schluss. Einen ähnlichen Roman habe ich bisher noch nie gelesen. Wer danach nicht mal wieder seine Oma anruft oder besucht, hat wirklich ein Herz aus Stein. Ein besonderer Roman: ergreifend, spannend und authentisch. 

Cover Das Rote Adressbuch vor rosa Hintergrund mit Nelke

Autor: Sofia Lundberg


Verlag: Goldmann


Bewertung: 4 von 5 Sternen

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