cover sterne sieht man nur im dunkeln vor einem meer mit dünengras

Meike Werkmeister: Sterne sieht man nur im Dunkeln

Urlaub im Jahr 2020 ist und bleibt ein emotionales Thema. Wegfahren? Wenn ja, wohin? Augen zu und durch und eventuelle Risikogebiete dennoch besuchen? Mein Bauchgefühl ist vor allem seit diesem Jahr für mich ein enorm wichtiger Gradmesser, nicht erst seit Covid-19. Also kurz hineingefühlt und es war klar, Urlaub wie in den letzten Jahren wird es so nicht geben. Wichtig ist aber, dass wir uns erholen und möglichst häufig die Jogginghose anhaben. Schon im Mai, als die erste „Welle“ gefühlt durch war, und die ersten Pensionen wieder öffneten, fuhren wir also an die Ostsee. Hauptsache raus, Hauptsache mal den Kopf frei bekommen. Dafür suchte ich noch die perfekte Romanbegleitung, die bloß keine Schreckensszenarien enthält oder Endzeitstimmung aufzeigt. Ein bisschen Träumerei wäre doch ganz nett! Aber war die bei „Sterne sieht man nur im Dunkeln“ wirklich möglich?

Folge deinem Herzen

Ich musste leider diesen abgenudelten Spruch als Überschrift wählen, weil es um genau diese Art von „Weisheiten“ geht, die Anni den Weg in ihre Zukunft weisen. Bisher lief es eigentlich ganz gut für sie, beruflich wird ihr regelrecht der Hof gemacht und sie soll im fernen Berlin eine Zweigstelle ihres Büros leiten. Ihrem Freund passt das allerdings gar nicht in den Kram, möchte sie stattdessen zeitnah heiraten und definitiv nicht umziehen. Sie bekommt Zweifel an ihrer Beziehung, schließlich auch an ihrem eigentlichen „Traumjob“ und beschließt daraufhin sich für sechs Wochen eine Auszeit zu nehmen und ihre alte Freundin Maria auf Norderney zu besuchen, die dort ein Café betreibt. Oft hat etwas räumlicher Abstand schon Wunder bewirkt, warum sollte sich nicht so auch ihr Chaos etwas lichten? Vor Ort entwickelt sich dieser Plan allerdings anders, als erwartet, als Anni klar wird, was sie wirklich im Leben will- und wie sie es erleben möchte. Durchatmen ist die Devise- und eben dem eigenen Herzen folgen.

Sommerroman mit Tiefgang

Dieser Roman ist eine kleine Mogelpackung. Ich habe eher eine seichte Story vermutet, die mich einlullt, wenn ich im Strandkorb liege und möglichst wenig mein Hirn benutzen will. Ja, es handelt sich hier tatsächlich vielleicht nicht um Weltliteratur, aber zwischen einigen vorhersehbaren Aktionen und Entwicklungen, gibt es dennoch viele Überraschungsmomente und vor allem sympathische Charaktere, die die Geschichte schlüssig vorantreiben. Hier ist definitiv nicht alles eitel Sonnenschein, eher schlüssig und lebensnah. Was mich wirklich positiv überrascht, war auch der Nebeneffekt, der sich beim Lesen einstellte. Man hinterfragt plötzlich eigene Lebensentscheidungen, fragt sich „Was wäre wenn?“ oder reflektiert eigene zwischenmenschliche Beziehungen. Ein bisschen ist es so, als würde ein imaginärer, mahnender Zeigefinger erhoben werden, der mir sagt: Relax. Atme mal durch und steig´ mal kurz aus dem Hamsterrad heraus. Wer hätte gedacht, dass ein Sommerroman zur Selbstreflektion inspiriert? Dennoch gab es kleine Stolpersteine für mich. Mir fehlte teilweise die emotionale Tiefe, z.B. beim Wiedersehen mit der alten Freundin, wo doch einiges noch nicht besprochen wurde und angeblich jahrelang auf Annis Schultern lastete. Auch hätte man auf die „Männer“ des Romans mehr eingehen können, so wird deren Beziehung zur Protagonistin tatsächlich nur bei ihrem Freund recht klar.

Frau schaut auf das Cover von Sterne sieht man nur im Dunkeln


Autor: Meike Werkmeister


Verlag: Goldmann


Bewertung: 4 von 5 Sternen

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