cover leas spuren vor weinrotem hintergrund

Bettina Storks: Leas Spuren

Kennt ihr das, wenn ihr in einem Buchladen steht und euch einfach nicht entscheiden könnt? Es gibt Tage, da weiß ich ganz genau, dass ich, trotz riesigem Stapel ungelesener Bücher, unbedingt heute ein neues Buch brauche. Wenn ich also irgendwann ratlos bin, gehe ich in Gedanken die Autoren durch, die mich in der Vergangenheit überzeugt haben. Bettina Storks kenne ich seit „Das geheime Lächeln“ (mit einem Klick zur Rezension) Damals begeisterte mich ihr Gefühl für Momentaufnahmen, ihre Detailliebe bei Handlungsorten und das gekonnte Verweben von historischen Fakten und Fiktion. Auch, wenn das Buch, das ich zuletzt las (Julia Holbe, „Unsere glücklichen Tage“) ebenfalls in Frankreich spielte, und meine Frankophilie auch kein Geheimnis mehr ist, habe ich mich damals im Buchladen für einen Roman von Bettina Storks entschieden, der in Deutschland und in Paris spielt. Nun liegt es in der Natur von Erwartungen, dass diese meistens eher zu hoch gesteckt werden und die Enttäuschung nicht weit ist. Ob mich „Leas Spuren“ auch begeisterten erfahrt ihr jetzt.

Ein Bild und dessen Geheimnisse

Marie und Nicolas werden quasi vom Schicksal miteinander verbunden. Die beiden Protagonisten sind sich zunächst fremd, sollen aber, um ihr Erbe antreten zu können, ein verschollenes Gemälde finden und es den rechtmäßigen Besitzern zurückgeben. Auf diesem ist Lea abgebildet, die Tochter eines jüdischen Künstlers, dessen Spur sich im Paris der 40er Jahre, und zu Zeiten der deutschen Besatzung, verliert. Gemeinsam setzen Marie und Nicolas das Puzzle der Vergangenheit zusammen und stellen bald fest, dass nicht nur ihre Familien emotional verbunden sind, sondern finden auch Verbindungen zum Kunstraub der Nazis und hegen bald Zweifel, ob tatsächlich alle Geheimnisse ans Tageslicht kommen sollten. 

cover leas spuren vor rotem schal und brilleFazit: Spannend bis zur letzten Seite

Paris- die Stadt des Lichts, der Liebe und der Künste in den Wirren des zweiten Weltkriegs ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Der Roman gibt Einblicke in die Zeit der deutschen Besatzung und vermittelt teils beklemmend real die Schicksale der Figuren. Auch, wenn immer wieder die Zeiteben gewechselt wird, reißt es den Leser nicht aus der Geschichte, sondern unterstützt dadurch das bessere Verständnis von inhaltlichen Zusammenhängen. Die Recherchen, in die die beiden Protagonisten und ihre Freunde eintauchen, wirken fundiert und fachlich richtig. Egal ob Zeit- oder Kunstgeschichte, der Leser ist Teil der Detektivarbeit, was die Spannung von Anfang an durchgehend steigen lässt. Bis zum Schluss hat man so die Chance eigene Schlüsse zu ziehen und ist dennoch überrascht. Auch wenn die Rahmenhandlung Fiktion ist, finden sich viele reale Biografien in diesem Roman. Auch sind die Geschehnisse in der Rue Saint-Maur tatsächlich so passiert. Als Bindeglied fungiert die Liebe zwischen einer Deutschen und einem Franzosen, damals und heute. Der Fokus liegt allerdings nicht auf einer Liebesgeschichte, es ist vielmehr das Familiengeheimnis, dessen Nachwirkungen bis heute spürbar sind, und diese Paare, damals und heute, beeinflusst. So erwartet den Leser hier keine vor Schmalz triefende Lovestory, eher eine Romanze, die sich zwar in der Gegenwart langsam entwickelt, aber bereits in der Vergangenheit erste Wurzeln schlug. Ich würde sagen, der Roman bietet eine wahnsinnige Vielschichtigkeit und somit eine angenehme Mischung aus Geschichte, Spannung und einer Prise Liebe. 

 

Autor: Bettina Storks

Verlag: Diana

Bewertung: 5 von 5 Sternen

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