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Eva Seifert: Ein Sommer unter Apfelbäumen

Dieser Sommer fühlt sich definitiv nicht an, wie die davor. Irgendwie fehlt mir die Leichtigkeit oder das Gefühl von „einfach mal treiben lassen“, wenn die Tage lang waren und der Duft von Sonnencreme und Meer abends in den Haaren hing. Natürlich versuche ich genau wie viele andere das Beste aus der Situation zu machen, ich esse z.B. sehr viel Eis, nutze jeden Sonnenstrahl an der frischen Luft so gut es geht und träume mich dann irgendwo an den Strand, Sommerplaylist sei Dank. Aber wir haben mittlerweile schon August, wo ist um Himmels Willen das Jahr hin? Erlebe ich noch ein paar Tage von meinem persönlichen „perfekten Sommer“? Während ich also eher einen „Sommer mit meinen nervtötenden, lauten Nachbarn“ verbringe, habe ich auf dem Balkon in Rekordzeit „Sommer unter Apfelbäumen“ gelesen und bin dabei nach Wales gereist.

Eine Hochzeit als Wendepunkt

Obwohl es doch ein toller Anlass ist, wenn Freunde heiraten, ist es für Jula das Ende von dem, was sie in den letzten Jahren als ihr sicheres Leben empfand. Ein Job, der immerhin das Nötigste abdeckt und eine Beziehung, die so romantisch begann und jetzt plötzlich sehr auf die Probe gestellt wird. Während ihr Freund Daniel beim Thema Heiraten panisch wird, und sich dann gleich lieber in den nächsten Job stürzt, reist Jula zu ihrer Tante und deren Bed & Breakfast nach Wales. Die steht vor einer großen Entscheidung: nimmt sie das Erbe einer Ciderfarm an, obwohl sie keine Ahnung von der Materie hat? Sie hat doch bereits genug zu tun mit ihrer Pension. Jula beschließt ihr für eine finale Entscheidung unter die Arme zu greifen und erkundet die Geschichte der Familie, der einst der Hof gehört hat. Dabei entdeckt sie nicht nur eine tragische Liebesgeschichte, sondern findet sogar eine Verbindung zu ihr selbst. 

buchcover ein sommer unter apfelbäumen auf geblümten untergrundFazit: Kurzweilige Unterhaltung mit Charme

550 Seiten sind erstmal eine ordentliche Ansage, die mich aber natürlich nicht abschreckt- im Gegenteil. Ich muss gestehen, dass ich Wales überhaupt nicht mit Apfelbäumen oder Cider in Verbindung gebracht habe. Man wird sehr schnell in Julas Welt hineingeworfen. Erst das komplizierte, angestaubte Leben in Deutschland, dann der Cut dank der Hochzeit der Freundin im Ausland, bei der das Schicksal seinen Lauf nahm. Man sitzt quasi neben Jula im Auto, schafft irgendwie den Linksverkehr und verliert sich in der tollen Landschaft. Die Protagonistin hat mich zwar manchmal zur Verzweiflung gebracht, wirkte sie doch zeitweise ein wenig naiv, allerdings macht sie eine riesige Entwicklung durch. Wer schnell den Überblick verliert, wenn plötzlich zu viele Charaktere auftreten, viel Glück! Da muss man schon sehr aufpassen, findet sich aber so nach und nach zurecht, weil einige im weiteren Verlauf wieder auftauchen. Was mich leider sehr gestört hat, waren die Wechsel der Zeitebene, die mir tatsächlich zu häufig vorkamen und mich auch oft aus dem Lesefluss gerissen haben. An manchen Stellen habe ich den Sprung in die Gegenwart als zu schnell empfunden, wenn die Geschichte in der Vergangenheit gerade etwas Fahrt aufnahm und auch noch einige Seiten mehr in Anspruch hätte nehmen können. Manchmal sind 1,5 Seiten einfach zu kurz, um in eine Szene komplett einzutauchen. 

Insgesamt hat mich das Buch als lockerer Sommerroman überzeugt. Wer kurzweilige Unterhaltung mit etwas Spannung und sehr viel Herz, aber ohne Kitsch braucht, ist hier richtig. 

Autor: Eva Seifert

Verlag: blanvalet

Bewertung: 4 von 5 Sternen

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