cover mit tulpen katherine webb die frauen am fluss

Katherine Webb: Die Frauen am Fluss

Ich hatte gehofft, dass wir, wenn ich diese Rezension schreibe, uns schon in der Zeitrechnung „Nach-Corona“ befinden und wir schon mehr oder weniger zu unserem üblichen Alltag zurückgefunden haben. Stattdessen höre ich immer mehr Geschichten aus meinem Umfeld, wie versucht wird Familie, Job und Kinderbetreuung zu vereinbaren, nicht durchzudrehen und irgendwie weiterzumachen. Meine Nachbarin genoss gestern ein paar ruhige Minuten ohne Nachwuchs, ihr Mann hatte die Kids „übernommen“. In dieser fast schon heiligen Zeit, saß sie auf einer Liege im Hof und las in Ruhe ein Buch. In den letzten Monaten habe ich auch an mir beobachtet, dass wenn mir die Situation über den Kopf zu wachsen schien, und ich nicht zur Ablenkung weitere x Kilometer spazieren gehen wollte, nur noch das Lesen half, um etwas ruhiger zu werden. Kennt ihr das auch? Vielleicht findet ihr hier auf unserem Blog Inspiration für euren „Moment zum Durchatmen“, das nächste Buch, das ihr lest. Von Katherine Webb habe ich bereits viele Frauenromane gelesen, wie z.B. „Das fremde Mädchen“. Besonders jetzt suche ich aktiv nach Romanen mit hoher Seitenanzahl, um möglichst lange Lesen zu können. „Die Frauen am Fluss“ hat knapp 500, vollgepackte Seiten Geschichte- aber lohnen die sich?

Starke Frauen in schweren Zeiten

„Pudding“ hat es nicht gerade leicht, nicht nur wegen ihres nicht sehr schmeichelhaften Spitznamens sondern auch wegen ihrer ärmlichen Lebensverhältnisse im England der 20er Jahre. Sie arbeitet als Pferdepflegerin auf einer Farm. Die Londonerin Irene hat dorthin „eingeheiratet“, um ihren guten Ruf nach einer unangebrachten, öffentlichen Schwärmerei wieder herzustellen. Der gutmütige Alistair, der dies ermöglichte, wird eines Tages brutal ermordet aufgefunden. Pudding und Irene übernehmen heimlich die Ermittlungen und suchen den Mörder des überall beliebten Farmers und Mühleninhabers. 

Fazit: Kombination aus Familienroman und Krimi

Im ersten Teil des Romans, in mindestens 100 Seiten,  habe ich mich tatsächlich ein wenig durchgequält und konnte nicht verstehen, warum jede einzelne Figur und deren Lebensumstände dermaßen detailliert vorgestellt werden. Das hat mich regelrecht genervt. Erst später verstand ich, dass dies nur dazu diente, die Lebensumstände zu verdeutlichen und die Verbindungen der einzelnen Charaktere miteinander. Diese leben alle im ländlichen England und gehören unterschiedlichen Gesellschaftsschichten an. Deren Unterschiede und Ansprüche an die jeweiligen Angehörigen werden glaubwürdig und detailliert dargestellt. Die weiblichen Protagonistinnen sind Willensstark, tough und auf der Suche nach dem persönlichen Glück. Während der Entwicklung der Geschichte ist die Weiterentwicklung der Charakterstärke regelrecht greifbar und macht die Frauen umso sympathischer. Jede einzelne wird mutiger, um an ihr persönliches Ziel zu gelangen. Erst sehr kurz vor Ende des Buches löst der Leser das Rätsel um den Mord des Landherren, fast ein bisschen zu spät, um noch bei Laune gehalten zu werden. Dieser (letzte) Teil der Geschichte erscheint mir dazu nicht ganz stimmig, hierfür wurden vorher zu wenig direkte Hinweise gestreut und die Zusammenhänge zu selten transparent gemutmaßt. Unterhalten wurde ich dennoch gut, nicht zuletzt wegen der bildhaften Sprache, den ausgetüftelten Beziehungen der Charaktere und dem anhaltenden Spannungsbogen, der diesen Roman nicht nur zu einer gelungenen Covid-19-Lektüre macht. 

Autor: Katherine Webb 

Verlag: Diana

Bewertung: 4 von 5 Sternen

 

 

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