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Beate Maxian: Die Tränen von Triest

Ich nenne es „Therapeutisches Lesen“. Wie ich euch bereits auf unserem Instagram-Kanal verraten habe, half mir das Lesen in den letzten Wochen über das Chaos im Kopf und die innere Unruhe hinweg, die mich seit Wochen, nicht nur wegen der Corona-Krise, täglich auf Trab hielten. Eine Art Therapie also, mein Stapel ungelesener Bücher machte also richtig Sinn. Seit einiger Zeit wartete dort auch eine Italien-Reise auf mich, die ich zwar durch die Einschränkungen aktuell nur in meinem Kopf unternehmen kann, auf die ich mich aber schon sehr freute. Die Autorin Beate Maxian lernte ich auf der Leipziger Buchmesse vor zwei Jahren bei einem Bloggertreffen kennen. Kurz darauf habe ich „Die Frau im hellblauen Kleid“  gelesen und für euch  begeistert rezensiert. Ich mochte ihren Schreibstil sofort und gefühlt habe ich nur einmal kurz mit den Augen geblinzelt und schon war ich mit dem Buch durch. Nun war ich gespannt, ob mich „Die Tränen von Triest“ wohl genau so begeisterten…

Kurzurlaub trifft auf tragische Liebesgeschichte

Eine unverhoffte Trennung und ein besonderer Auftrag schicken Innenarchitektin Johanna ins italienische Triest. Eigentlich will sie sich dort erholen, soll aber vor Ort versuchen den leiblichen Vater ihres Großvaters zu finden. Um ihn und die gesamte Familiengeschichte ranken sich einige Mythen und Ungereimtheiten, gab es damals doch politische Unruhen, die Liebespaare und ganze Familien auseinander rissen. Johanna begibt sich auf Spurensuche und lernt dabei viel über ihre eigene Familie, frühere Freundschaftsbande und die Geschichte über den damaligen Krieg, der für die gesamte Gegend eine Tragik mit sich brachte, die bis heute spürbar ist. Ehe sie sich versieht, steckt sie nicht nur mitten in den Erzählungen von früheren Zeiten, sondern auch in unerwarteten Gefühlen. Dabei wurde sie doch vor den charmanten Italienern gewarnt…

Fazit: spannende Spurensuche mit Herz

cover tränen von triest-beate maxian-eukalyptusblätterZwischendurch musste ich mich selbst daran erinnern, dass die Figuren und deren Geschichte zwar fiktiv sind, die Schilderung der Ereignisse rund um den ersten Weltkrieg jedoch auf der Wahrheit beruhen, so real erschienen mir die Lebensgeschichten und Erzählstränge in den verschiedenen Epochen. Die Zeitsprünge und Perspektivwechsel sorgen für Spannung und setzen das Puzzle der Familiengeschichten gekonnt zusammen. Anfangs musste ich mich etwas konzentrieren, um die vielen Namen und Beziehungen einander zuordnen zu können, das hat mich zeitweise etwas rausgebracht. Spätestens ab der Hälfte des Romans wusste ich aber, wer zu wem gehört und wer in welcher Zeit gelebt hat. Apropos kleine Störungen: das sind sonst auch oft bei mir „gefühlte Längen“, die ein Buch aufweist. Hier fand ich nur die Episode bis zur angesetzten Verlobung einer der Protagonistinnen etwas langatmig, wie gesagt, das ist die einzige Ausnahme. Was wäre ein Roman, der Italien spielt, ohne Amore? Ich habe recht schnell geahnt, wer mit wem anbandelt und wie sich die Liebe ins Leben der Protagnostin schleicht, aber ganz ehrlich, das ist total egal, denn ich habe keinen großen, dramatischen Liebesroman erwartet, sondern maximal ein bisschen Liebe zwischen den Zeilen- und die habe ich auch bekommen. Apropos Italien! Die Gegend rund um die Stadt Triest und deren Charme werden so beschrieben, als würde man selbst am offenen Fenster eines Hotels stehen und alles genau so vor sich sehen, inklusive der Gerüche, die dort in der Luft liegen. Der Leser wandelt durch das alte Hotelgebäude, sieht die antiken Möbel, genießt die italienische Küche und die guten Weine. Überhaupt ist es eine sehr sinnliche Beschreibung der Geschehnisse, und somit auch ein intensives Leseerlebnis, auf das Beate Maxian den Leser mitnimmt. 

Autor: Beate Maxian

Verlag: Heyne

Bewertung: 4 von 5 Sternen

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