Cover Liebesbriefe von Montmartre mit gemaltem Herz auf Papier

Nicolas Barreau: Die Liebesbriefe von Montmartre

Ah oui…, „l`amour.“ Mich alten Frankreichfan kann man mit französischen Autoren oder Geschichten, die dort spielen, sehr leicht um den Finger wickeln. Ich bekomme wahrscheinlich beim Lesen sogar automatisch einen verklärten Blick und mit viel Phantasie rieche ich die Lavendelfelder des Südens. Hach. Ich schweife ab. Tatsächlich habe ich durch Zufall einen Roman von „Nicolas Barreau“ in den Händen gehabt, in meinem Lieblingsbuchladen im Allgäu. Seitdem versuche ich alle Romane von ihm zu lesen und so fand ich dieses schöne Buch (nicht nur) für Frauen. Man munkelt ja, dass sich hinter dem Autorennamen tatsächlich eine Verlegerin verbirgt, die mittlerweile sogar unter verschiedenen Pseudonymen tätig ist. Es ist einigen Lesern nämlich aufgefallen, dass es „seine“ Bücher scheinbar gar nicht als französisches Original zu kaufen gibt, bzw. diese gar nicht existieren. Mysteriös! Franzose hin oder her, es geht hier ja schließlich um den Roman und dieser führt uns, wie der Name schon vermuten lässt, in das Künstlerviertel Montmartre, im schönen Paris.

Kann ein Ende ein Anfang sein?

Julien ist Schriftsteller und verliert mit Mitte Dreißig nicht nur seine Frau, sondern auch die Mutter seines kleinen Sohnes Arthur. Bevor Helene starb, bat sie Julien ihr 32 Briefe zu schreiben, für jedes Lebensjahr einen, die er in einem kleinen Versteck in ihrem Grabstein platzieren soll- auf dem Künstlerfriedhof im Pariser Viertel Montmartre, wo sie sich einst kennenlernten. Julien tut seiner großen Liebe den Gefallen und ist von nun an jeden Tag dort. Die Bemühungen seines Umfelds ihn aus seiner Trauer, Schreibblockade und Lethargie zu holen, scheitern. Zu groß ist der Schmerz. Eines Tages verschwinden plötzlich täglich Briefe aus dem kleinen Versteck. Stattdessen liegen dort symbolische Antworten in Form von kleinen Geschenken, die immer Bezug auf Juliens letzten Brief nehmen. Aber wie kommen sie dorthin? Julien hatte niemandem davon erzählt, nur Helene kannte das Geheimnis. Die rätselhafte Suche nach einem „Phantom“ beginnt und ganz nebenbei kämpft sich Julien zurück ins Leben. 

Fazit: Paris als Kulisse einer traumhaften Liebesgeschichte

cover liebesbriefe von montmartre mit lavendel und geschnürtem briefpaket

Ich habe tatsächlich noch keinen vergleichbaren Roman gelesen. Weder kannte ich, dass das Thema Tod eines Ehepartners so vorsichtig, gleichzeitig realistisch und respektvoll thematisiert wird, noch, dass eine Liebesgeschichte fast schon nebenbei entsteht. So leise passiert es, dass man als Leser zwar Zeuge davon wird, aber es fast nicht bemerkt. Hier ist gar nichts reißerisch oder plakativ. Es scheint eher so, als fließt die Geschichte vom ersten Satz an und der Leser wird einfach Zeuge der Entwicklungen, die Julien nach und nach zurück ins Leben führen. Es wird nichts beschönigt, keine Gefühle werden weggelassen oder zu sehr in den Vordergrund gestellt.  Die Aussicht jemals wieder glücklich sein können ohne Helene, scheint so fern.  Jeder, der einen wichtigen Teil seines Lebens für immer verloren hat, und eventuell auch ein Kind allein großziehen muss, wird sich in den emotionalen Schilderungen bestimmt teilweise wiederfinden. Der innere Zwiespalt von Julien, einerseits das Andenken an seine Frau zu erhalten und andererseits sich für das neue Lebenskapitel zu öffnen, wird für den Leser gut nachvollziehbar und mit einer großen Portion Menschlichkeit beschrieben. Der Spannungsbogen wird durch das Verschwinden der Briefe bis zum Ende aufrecht erhalten. Der Leser ahnt zwar die Auflösung, dennoch geht das Romanende zu Herzen- nicht zu letzt, weil man hofft, den Wunsch der verstorbenen Ehefrau zu erfüllen: dass das Leben von Julien eine positive Wende nehmen wird. Eine ganz klare Leseempfehlung! 

 

Autor: Nicolas Barreau

Verlag: Piper

Bewertung: 5 von 5 Sternen

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