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Jojo Moyes: Wie ein Leuchten in tiefer Nacht

Sie gehört definitiv zu meinen Lieblingsautoren- Jojo Moyes. Selten schafft es eine Autorin mich so mit einem Thema zu begeistern, von dem ich nicht mal wusste, dass es mich bewegen kann. Mit ihr kam ich zum ersten Mal mit den Themen Behinderung und Sterbehilfe in der Literatur in Berührung  (ich habe tonnenweise Taschentücher beim Lesen verbraucht), habe Paare um ihre Ehe, und Frauen um ihre Selbstständigkeit kämpfen sehen. Und immer wieder sind da Geheimnisse, die in der Vergangenheit liegen, unausgesprochene Sehnsüchte und Wünsche, die doch irgendwann ans Licht kommen.  Durch sie habe ich überhaupt erst davon erfahren, dass viele australische Frauen in den 40ern mit dem Schiff nach England gebracht wurden, um dort mit ihren Verlobten vereint zu werden, die sie vielleicht nur wenige Tage aus ihrem Kriegseinsatz kennen. Frauen zwischen zwei Welten. Besonders die starken weiblichen Charakter haben es Moyes scheinbar angetan, denn auch in „Wie ein Leuchten in tiefer Nacht“ sind es gerade die Frauen, die über sich hinaus wachsen und zu Pionieren für eine neue Generation werden.

Die Satteltaschenbibliothek

cover-wie ein leuchten in tiefer nacht-jojo moyes-the booklettes-rezension1937 gelten in Kentucky einfache Spielregeln für Frauen. Heirate möglichst reich, benehme dich möglichst unauffällig, engagiere dich in deiner Gemeinde, sei gottesfürchtig. Natürlich schenkst du deinem „heiligen“ Ehemann mindestens einen Erben, um das Ansehen der Familie zu erhalten. Arbeiten? Ich bitte dich! Maximal ehrenamtlich oder in einem Beruf, der dem Gemeinwohl zugute kommt. Alice kommt direkt nach ihrer Hochzeit mit einem angesehenen Amerikaner aus England in das ihr unbekannte Land und muss schnell feststellen, dass die Fassade der reichen Familie wohl so schillernd war, dass sie total geblendet wurde. Es ziehen Langeweile und Kälte ein. Ihr Schwiegervater ist als Minenbesitzer der mächtigste Mann der Region. Als ihre Ehe kinderlos bleibt, wird sie zum Gesprächsthema der Stadt- noch viel mehr allerdings, als sie sich der in Verruf geratenen Margery anschließt, die eine Initiative von Eleanor Roosevelt umsetzt, die sogenannte „Satteltaschenbibliothek“. Frauen führen eine Bibliothek, in der sie Literatur jedem zugänglich machen. Wer zu alt oder zu schwach ist, oder zu weit oben in den Bergen lebt, bekommt Bücher zu sich nach Hause gebracht. Die Distanz wird, bei jedem Wetter, mit Pferden zurückgelegt. Alice nutzt die Chance, um aus dem Ehealltag auszubrechen und blüht in dieser neuen Aufgabe auf, nicht zuletzt durch die Unterstützung der neuen Freundinnen, die, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten, durch ihr gemeinsames Projekt verbunden sind. 

Fazit: Mitreißende Story und starke Frauen

Wow! Eigentlich ist alles schon damit gesagt. Was für ein Roman! Es gibt vieles, was mich beim Lesen positiv bewegt und beschäftigt hat, einiges, was mich regelrecht aufregte und auch noch Tage später zum Nachdenken anregte. Vielleicht ist es genau diese Kombination, die mich so begeistert. Hier stehen Frauen nicht im Wettstreit miteinander- schöneres Leben, tollerer Job, attraktiveres Äußeres etc. Hier unterstützen sie sich gegenseitig, pushen ihre Idee vom Zugang zur Literatur für die Allgemeinheit, unabhängig von Einkommen oder Ansehen in der Gesellschaft. Sie setzen sich miteinander für das große Ganze ein, die Konsequenzen werden außer Acht gelassen. Für mich steht im Zentrum der Story das Thema Mut. Da wäre der Mut einen eigenen Lebensentwurf zu besitzen und ihn dann auch tatsächlich umzusetzen. Der Mut sich Konventionen zu widersetzen. Der Mut die Menschen um sich zu scharen, die einen inspirieren und unterstützen, sozusagen das eigene Rudel, um etwas stärker in die ungewisse Zukunft zu schauen. Der Mut füreinander einzustehen, Opfer zu bringen, und trotz Hindernissen jeden Tag auf`s Neue für eine Mission aufzustehen. Dieses Buch vereint tatsächlich vieles, was mir persönlich wichtig ist. Liebe und Freundschaft, ehrliche Unterstützung untereinander, Bücher und die Freiheit so leben zu können, wie man es selbst möchte. Anstatt sich vom Neid auffressen zu lassen, bestärken sich die sechs Hauptcharaktere immer wieder, getrieben vom gemeinsamen Ziel und der Botschaft, die sie vermitteln wollen. Eine Wohltat im Vergleich zu vielen anderen Romanen mit immer gleichgestrickten Rollen und Stereotypen. Bitte, liebe Autoren, nehmt euch daran ein Beispiel! Traut euch mit diesen alten Traditionen zu brechen! Macht die Augen auf! Es gibt genug starke weibliche Persönlichkeiten, die als Vorbild für die nächste Protagonistin dienen können und die für die nächste Generation Frauen einen neuen Blickwinkel eröffnet. Danke Jojo Moyes für den Mut diese Geschichte zu erzählen und Frauen als das darzustellen, was sie schon immer waren und auch zukünftig immer sein werden: Heldinnen. 

Autor: Jojo Moyes

Verlag: rowohlt

Bewertung: 5 von 5 Sternen

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