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Anne Sanders: Wild At Heart

Die Romane von Anne Sanders sind für mich wie eine langjährige, gut funktionierende  Bekanntschaft. Man lernt zwar im Laufe der Zeit immer wieder jemanden kennen, verliert sich dann und wann dadurch auch etwas aus den Augen, aber mag sich, wenn man sich wiedertrifft. Wenn ich also wieder einmal ratlos im Buchladen stand, griff ich zu einem ihrer Romane, weil ich wusste, dass für mich der Leseflow stimmt. Dank der sozialen Medien habe ich im Herbst von „Wild at Heart – Willkommen im Hotel der Herzen“ gehört und so kam es als Kurztrip-Lektüre mit an die kalte Ostsee. Usedom ist ja quasi das neue Cornwall. Nun bin ich als Langzeitbekannte und Romantikfan also etwas voreingenommen ans Lesen herangegangen, aber geht es mit unserer „Lesebekanntschaft“ genau so weiter, wie bisher?

„All you need is love“ und ein Hotel

wild at heart-sanders-cover-rezension-the booklettesMan nehme ein gemütliches Hotel in Cornwall, packe einen bunten Haufen charakterstarker Betreiber und liebenswerte Angestellte dazu und beobachtet den besonderen Zauber, den das Hotel scheinbar auf dessen Gäste, und besonders deren Liebesleben, ausstrahlt. Besitzerin Gretchen hat vor einiger Zeit bei einem tragischen Unfall ihren Ehemann, bzw. Vater ihrer Tochter Nettie, verloren. Ihr erfindungsfreudiger Tüftel-Schwiegervater Theo blieb ihr erhalten, ebenso wie das gemeinsam betriebene, aber eher mau laufende Hotel. Während die einen versuchen Gretchen buchstäblich mal wieder „an den Mann zu bringen“, um ihre Trauer zu überwinden, versucht diese krampfhaft mehr Gäste zu gewinnen und ihnen vor Ort einen traumhaften Aufenthalt zu bieten, ihre persönliche Lebenskrise zu bewältigen und die Familie zu managen. In diesem Setting werden ebenfalls die persönlichen Geschichten der langsam eintrudelnden Gäste angerissen. Auch, wenn jeder aus einem anderen Grund angereist ist, haben diese alle mit der Liebe zu tun. Sei es die Sehnsucht nach einem alten Jugendfreund, Zeit zu Zweit als Ehepaar oder der anspruchsvolle, erfolgreiche Liebesromanautor, der scheinbar nicht nur ein Auge auf die Inhaberin des Hotels geworfen hat und auf den Kuss der Muse wartet. Wenn das noch nicht ausreichend Trubel ist, keine Sorge! Inmitten des alltäglichen Wahnsinns, bleibt noch genug Zeit für eine kleine Tragödie, die die Familie an ihre Grenzen bringt.

Fazit: Leichte Lektüre mit leichtem Herzflattern

Ich habe tatsächlich bis zum Viertel des Buches gebraucht, um mich einzulesen. Irgendwie klemmte es diesmal. Ich wurde nicht warm mit den Charakteren, dem Hotel, der verzwickten Lage der Protagonistin, auf deren Schultern wirklich viel lastet. Vielleicht hatte ich auch einfach von vorn bis hinten Mitleid mit ihr und konnte deshalb nicht im Kopfkino der Landschaft Cornwalls schwelgen. Gefühlt kam mir diese auch diesmal etwas zu kurz, eher husch, husch und schnell, anstatt ausführliche Beschreibungen dieser tollen Lage mit besonderem Charakter. Dabei macht doch gerade Cornwall das Flair von Anne Sanders´ Büchern aus.  Auch sonst schwebt eine leichte Oberflächlichkeit mit: das Hotel wurde vererbt, man lebt auch da, hat seine Routinen und das war`s. Die Charaktere werden nicht ausgiebig präsentiert, eher nur deren Lebensumstände und Probleme. Meine letzte Hoffnung waren die Gäste, die wegen der Liebe dort sind und dem besonderen Flair des Hauses. Selbst deren Beweggründe für den Aufenthalt und die Entwicklung der Emotionen, kommen zu kurz. Auch, wenn es eine Fortsetzung des Romans gibt, die ich bisher noch nicht inhaltlich kenne, hatte ich gehofft als Leser mehr angesprochen zu werden, eben so, wie es auch sonst war. Ich konnte diesmal leider nicht so den Kopf ausschalten und einfach das Lesen genießen. Ich bin tatsächlich zum ersten Mal enttäuscht. Aber hoffentlich sehen wir uns bald wieder und haben wieder einen besseren Flow miteinander. Sehen wir es einfach als kleinen Ausrutscher und beim nächsten Mal träumen wir wieder von Cornwall und trinken Kaffee zusammen- als alte Bekannte. 

 

Autor: Anne Sanders

Verlag: Blanvalet

Bewertung: 3 von 5 Sternen

 

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