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Delia Owens: Der Gesang der Flusskrebse

Ich verfolge regelmäßig andere Buchclubs online und schaue, was dort aktuell gelesen wird. Reese Witherspoon ist in meinen Augen nicht nur eine wunderbare Schauspielerin und Produzentin, sie teilt auch regelmäßig via Social Media die Bücher, die sie aktuell selbst liest oder über die sie, oder wohl eher ihr Social Media-Team, sich im jeweiligen Monat austauschen möchten. So habe ich bereits vor einigen Monaten vom Roman „Where The Crawdads Sing“ von Delia Owens gehört. Damals war die deutsche Übersetzung noch nicht in Sicht, ich hatte im Herbst das Warten satt und wollte mir nun die Originalausgabe bestellen. Mittlerweile gab es einen riesigen Medienhype darum, den ich mir nicht erklären konnte. Ein Roman, der im Marschland von North Carolina spielt und irgendetwas mit einem Mädchen zu tun hat, das dort mehr oder weniger allein lebt und die Natur als ihre Familie ansieht. Reicht das wirklich für einen Pageturner?

Ein Leben in und mit der Natur

cover-buch-hanserblau-gesang der flusskrebse-booklettesAmerika in den 60ern. Kya Clark ist für die Bewohner des kleinen Ortes Barkley Cove in North Carolina eine faszinierende Persönlichkeit. Sie lebt bereits ihr ganzes Leben weit abgeschieden im Marschland inmitten unberührter Natur, Sandbänken und dem Meer- weit weg von anderen Einwohnern des Ortes oder der Zivilisation. Als sie noch ein Kind war, verließ ihre Mutter die Familie, später ihre Geschwister. Selbst ihr saufender Vater, der ihr gerade so die nötigsten und einfachsten Lebensmittel hinterließ, verschwand eines Tages und kam nie mehr zurück. Kya boxt sich nun allein durch, meidet die Menschen und macht sich ihr Wissen zu Flora und Fauna in ihrer Umgebung zunutze. Man lässt sie trotz großer Neugier der Stadteinwohner weitgehend in Ruhe. Eines Tages wird die Leiche von Chase Andrews gefunden, einem angesehenen, ehemaligen Quarterback, dem man diverse Frauengeschichten anhängt. Plötzlich gerät Kya ins Visier der Ermittler, denn auch in der größten Abgeschiedenheit können starke Gefühle entstehen, die dramatische Folgen für ein Leben in Freiheit haben.

Fazit: Intensiv, fesselnd, atmosphärisch

Owens Schreibstil hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Sie beschreibt mit großer Detailliebe die Natur, in der Kya aufwächst und lebt, so dass der Leser sofort die Liebe zur vertrauten Umgebung der Protagonistin spürt und die Besonderheit dieser Gegend vermittelt bekommt. Wer denkt, es handelt sich um eine langweilige Naturskizze mit einem Hauch Geschichte drumherum, oder eine langweilige Schmonzette, kann sich gleich mal beruhigen. Einfühlsam wird Kyas Lebensgeschichte und deren Etappen beschrieben: die Isolation, die Ängste, die zweifelhafte Kommunikation der Ortseinwohner, die ihr stets mit Skepsis entgegentreten, aber auch als sie die Liebe kennenlernt und sie versucht sich dieses zwischenmenschliche Phänomen selbst zu erklären. Die Kriminalgeschichte, die angerissen wird, fügt sich unaufdringlich in den Gesamtplot, da der Leser durch vorherige Zeitsprünge bereits Einblicke in die Ermittlungen erhält. Meiner Meinung nach wird lediglich die Gerichtsverhandlung unnötig in die Länge gezogen und hemmt etwas dadurch den Lesefluss-, bzw. die Lesebegeisterung. Ich habe lange nicht mehr ein Buch kaum aus den Händen legen wollen- dieser Roman hatte es mir bis zur letzten Zeile angetan und überraschte mich dann sogar noch am Ende. Medienhype? Gefeierte Starautorin Delia Owens? Absolut zu Recht. 

 

Autor: Delia Owens

Verlag: Hanser

Bewertung: 5 von 5 Sternen

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