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Anne Barns: Honigduft und Meeresbrise

Ich gebe zu, dass der Titel dieses Romans mir schon eine Spur zu kitschig ist. Da bin ich tatsächlich auch sehr empfindlich und es kommt vor, dass ich dann auch aus Protest  gegen diesen dämlichen Titel einfach das Buch im Laden liegen lasse. Hier war es aber der Klappentext, der mich letztendlich überredet hat, es doch zu wagen. Ich hatte eine Weiterbildung in einem Wald mitten in Bayern vor mir, das heißt: schlechte Internetverbindung, eine lange Zugfahrt und nach einem XXL- Tag mit fachlichem Input keinen Nerv für Abende vor dem Fernseher. Ein Hoch auf meinen E-Reader! Aber was genau hat mich beim Klappentext so überzeugt, dass ich den blöden Titel ignorieren konnte?

Autor: Anne Barns

Verlag: MIRA Taschenbuch Verlag

Bewertung: 4 von 5 Sterne

Verluste und Spurensuche

Anna verliert ihre beste Freundin Mona durch einen Autounfall, als diese auf dem Weg zu ihr war. Noch einige Zeit danach erträgt sie es kaum im Ort ihrer Kindheit und Jugend zu sein, dort wo sie sich die Schuld an Monas Tod gibt. Dennoch kehrt sie dorthin zurück, als alles in ihrem Leben ins Wanken gerät. Ihre Beziehung steht kurz vor dem Aus, ihr Job hat ihr nie richtig Spaß gemacht und auch sonst scheint durch Monas Tod vieles so sinnlos. Sie sucht Halt bei ihrer Großmutter in ihrem Heimatort, die nach wie vor das Hobby des Imkerns pflegt. Plötzlich liefert der Postbote einen Brief ab, der fast 80 Jahre unterwegs war und viele Fragen tauchen auf. Anna begibt sich also mit ihrer Oma spontan auf Spurensuche an der Ostsee, um vielleicht doch noch ein Familiengeheimnis zu lüften. 

honigduft und meeresbrise -the booklettesFazit: Liebe zum Meer und ich habe Urlaub nötig

Man merkt, dass Anne Barns selbst gern am Meer leben würde. Die Beschreibungen der Orte und Landschaften der Ostsee waren so gut getroffen, dass man förmlich das Meer rauschen hörte und sich am Strand mit Blick in die Ferne sitzen sieht. Mir wurde klar: ich brauche Urlaub. Aber das ist eine andere Geschichte…

Ich konnte mich in die Protagonistin gut hineinversetzen, auch wenn uns nur das ähnliche Alter verbindet sowie unsere enge Beziehung zu unserer Großmutter. Ihre Gedanken und Handlungen wurden aber so beschrieben, als wäre man mit ihr befreundet und versucht alles nachzuvollziehen, was sie entscheidet und erlebt. Es ist schon fast so, als wäre ihre Großmutter sowas wie ihr „Partner in Crime“, weil sie sich gemeinsam in Ahrenshoop an der Ostsee auf Spurensuche begeben und so noch ein Abenteuer erleben. Wer kann das schon im hohen Alter von sich behaupten? Mit der typischen Klischee-Oma kommt die Autorin zum Glück in keiner Sekunde um die Ecke, ich denke eher, dass sich jeder eine Oma wie Johanna beim Lesen wünscht, die noch sehr aktiv unterwegs ist und das Hobby Imkern nicht aufgeben will. 

Ich ziehe einen Stern bei der Bewertung ab, weil ich den „romantischen“ Teil der Geschichte, in der es um Annas Kapitel der Liebe ging, ein wenig zu vorhersehbar, bzw. zu schnell integriert fand. Mir war sehr früh klar, in welche Richtung sich das Ganze entwickelt, da hätte es noch andere Erzählstränge geben können, um mehr Spannung zu entwickeln. Hier waren es auch tatsächlich die Dialoge, die mir viel zu kitschig daher kamen, dabei fand ich die im restlichen Roman sehr gelungen. Apropos gelungen: Selten hat man die Themen Familie, Trauer und Freundschaft so stimmig und respektvoll miteinander vereint. Ein kurzweiliger, tatsächlich auch spannender, Roman mit einer schönen Botschaft. 

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