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Jenny Colgan: Die kleine Bäckerei am Strandweg

Es gibt Bücher, die begegnen einem überall. Egal, in welchem Buchladen man sich herumtreibt, egal, ob virtuell oder in der Buchhandlung des Vertrauens vor Ort. Da liegen sie, warten auf dich, sind einfach in jeder Auslage zu finden und jede Werbung springt dich förmlich an. So ging es mir vor einiger Zeit mit „Die kleine Bäckerei am Strandweg“. Selbst online wurde mir ständig Werbung dafür angezeigt. Ich war tatsächlich sogar schon leicht genervt von dieser „Überpräsenz“. Dann kam Tag X: Dienstreise, Zugfahrt, sechs Stunden Zeit und ein E-Reader. Nach ewigem Scrollen im Shop, blieb ich dann doch ausgerechnet dort hängen. Ja, da kann ich es nur wiederholen: ich bin manchmal echt ein Werbeopfer! Zu dem Zeitpunkt wusste ich gar nicht, dass es eine Buchreihe ist, sondern fing einfach an zu lesen…

 Autor: Jennie Colgan

Verlag: ebook Berlin Verlag

Bewertung: 4 von 5 Sterne

Backen als Therapie

Unternehmen gescheitert, Geld weg, Beziehung am Ende. Bei Polly ist so ziemlich alles schief gelaufen, was schief laufen kann. Was bleibt ihr noch? Wo soll sie in Zukunft leben? Ein Zufall bringt sie auf die Insel Mount Polbearne in Cornwall, wo definitiv ein Männerüberschuss vorherrscht, aber scheinbar zunächst niemand etwas mit ihr zu tun haben will. Dort kann es, je nach Gezeiten, auch vorkommen, dass alle Einwohner von der Außenwelt abgeschnitten sind, dementsprechend halten die Insulaner zusammen. Da hat es eine Zugezogene gleich direkt schon mal schwerer, erstrecht, wenn sie die alte Bäckerei zu neuem Leben erwecken will und sich direkt schon mal mit der alteingesessenen Möchtegern-Bäckerin des Ortes anlegt, die auch noch ihre Vermieterin ist. Polly beißt sich durch, knetet gefühlt Tag und Nacht Teig und versucht so Fuß zu fassen. Ganz schön schwer, wenn sich der ganze Ort nur heimlich dein Brot kauft…. 

Pollys kleine Welt

Im eigenen, kleinen Universum von Mount Polbearne, und somit Pollys neuem Zuhause, erfährt der Leser wahnsinnig viele Namen, Geschichten und persönliche Schicksale. Nach und nach ergibt sich so das Bild eines verschlafenen kleinen Ortes, der durch seine Abgeschiedenheit und Einzigartigkeit teils sehr eigenwillige Charaktere hervorbringt. Von Tierarzt bis Fischer, von Herzensbrecher Huck bis zur biestigen Vermieterin Mrs.Manse- jede Figur wird in bestimmten Situationen so detailgetreu beschrieben, ohne zu übertreiben oder zu viel auszuschmücken, dass man am Ende des Buches das Gefühl hat, jeden einzelnen Einwohner zu kennen und die Anekdoten selbst erlebt zu haben. Der Leuchtturm in der Ferne, die Fischer im Hafen, das alte Kopfsteinpflaster im Ort und das kleine Gebäude mit vielen Macken, in dessen Inneren Polly ihre Vision einer Bäckerei umsetzt, wirken schon fast wie aus einer verträumten Reisereportage auf ARTE. Da hat wohl jemand sehr Sehnsucht nach Cornwall, Frau Colgan? 

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Warum ein Papageientaucher?

Ich hab mich also mitreißen lassen, fand den Roman tatsächlich auch sehr kurzweilig und unterhaltsam. Natürlich kommt ein neuer Mann in Pollys Leben, wenn man genau ist sogar gleich zwei, und, oh Wunder, es ist nicht einfach. Was mich aber wirklich irritiert hat, und sogar etwas nervte mit der Zeit, ist die Rolle eines Papageientauchers. Ja, genau. Der Vogel. Und ja, er spielt wirklich eine Rolle in diesem Roman, wenn auch nur eine Untergeordnete. Aber warum wird sich überhaupt so ausführlich mit diesem Vogel beschäftigt? Warum taucht er überhaupt auf? Warum muss haarklein beschrieben werden, wie er den Kopf schief legt, wie er aufgeregt umher hüpft und wie er schaut, und das weiß Gott nicht nur ein Mal? Noch mal: es geht hier nicht um einen Hund oder so, es geht um einen Vogel, der rund gefüttert wird und der Pollys Haustier ist. Äh ja… okay. Ich hätte mal zählen müssen, wie oft es in diesem Buch um „Neil“ geht, so heißt er übrigens. 

Fazit

Ich hatte das Buch am Ende meiner Dienstreise fertig gelesen, generell ein gutes Zeichen. Bis auf mein Unverständnis gegen diesen Vogel hab ich mich gern auf Pollys Welt eingelassen und bin mit ihr nach Mount Polbearne gereist. Ich würde jetzt tatsächlich auch sofort dorthin und würde mich mit ihr auf die Hafenmauer setzen, aufs Meer schauen und mit ihr Zimtschnecken essen. Ich mag Polly, ich mag Zimtschnecken und ich mag Bücher wie dieses, die irgendwie ein heimeliges Gefühl vermitteln ohne vor Kitsch zu triefen. Ein besonderes Highlight: am Ende des Romans findet man einige Rezepte zum Nachbacken, von den Leckereien, die im Laufe der Geschichte erwähnt werden. 

Ein Gedanke zu “Jenny Colgan: Die kleine Bäckerei am Strandweg

  1. theculinarymary schreibt:

    Diese Buchreihe ist eine meiner Liebsten! Ich finde die Geschichte um Polly und die Art, wie die Autorin schreibt super entspannend! Perekt zum Abschalten. Auch der Übersetzer hat gute arbeit geleistet. Und genau das ist es: Ein gemütliches Gefühl, ohne Kittsch! Danke für diese Rezension.

    Gefällt mir

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