Die Tochter des Uhrmachers Diana Verlag Buch Buchcover Buchtipp Rezension

Kate Morton: Die Tochter des Uhrmachers

Kate Morton-Cover-Tochter des Uhrmachers-Rezension-The Booklettes

(Bildquelle: privat)

Meine ganz persönliche Vorliebe für Romane von Kate Morton begann 2008 mit „Der verborgene Garten“ und hält bis heute an. Ich habe seit damals jede einzelne Seite regelrecht inhaliert, konnte kein Buch weglegen. Darum ist es nicht verwunderlich, dass ich ungeduldig auf den angekündigten Erscheinungstag von „Die Tochter des Uhrmachers“ wartete. Bei Instagram gab es schon einige Appetithäppchen und Bilder von der Autorin selbst, die ins Setting passten: verwunschene Gärten, alte Herrenhäuser, märchenhafte Wälder.

Ich bin kein Freund von dünnen Büchern, das gilt für mich dann eher als „Heft“ und nicht als verheißungsvolle Lektüre. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, dass ich über 600 Seiten nun vor mir hatte, in die ich wieder eintauchen konnte. Wie mir Kate Mortons aktueller Roman gefallen hat, erfahrt ihr in der Rezension.

Autor: Kate Morton

Verlag: Diana

Bewertung: 5 von 5 Sterne

Was geschah wirklich in „Birchwood Manor“?

Wie schon in „Das Seehaus“ steht in diesem Roman ein Haus und dessen Geheimnisse im Mittelpunkt der Geschehnisse. Der Leser taucht ein in die Welt der aufstrebenden englischen Künstler im Jahr 1862. Edward Radcliffe wird sprichwörtlich von der Muse geküsst, als ihm eine junge Straßendiebin Modell für ein Gemälde steht. Es wird ein schicksalhafter Sommer: Neid, Missgunst, das Verschwinden einer jungen Frau, ein vermeidlicher Raubmord. 

Im Jahr 2017 stößt die junge Archivarin Elodie unverhofft auf einige in Vergessenheit geratene Hinterlassenschaften aus der damaligen Zeit und wird das Gefühl nicht los, dass ihre eigene Lebensgeschichte mit der des Besitzers der Gegenstände verwoben ist. Aber wo ist die Verbindung? Und was hat ihre verstorbene Mutter damit zu tun? Ein Foto, die Skizze eines Hauses und eine alte Aktentasche werden die Antworten liefern. 

Geister der Vergangenheit und Gegenwart

Kate Morton versteht es in ihren Geschichten Mystik einzubauen. Das liegt zum einen an der meist historischen Kulisse ihrer Romane, die man auch hier wiederfindet, wenn dies auch eher diesmal in den Hintergrund gerät, und nur durch das Erwähnen des Krieges und einigen Elementen aus dem Alltag der unteren Mittelklasse verdeutlicht wird. Ich will dies allerdings nicht kleinreden, denn alle Szenen wirken gut recherchiert und detailliert dargestellt. In „Die Tochter des Uhrmachers“ jedoch kommen nicht nur die „Geister der Vergangenheit“, sondern auch die der Gegenwart zu Wort. Die einstige Muse des Malers wird recht zu Beginn des Romans als Protagonist vorgestellt, allerdings als Geist, der immer wieder im weiteren Verlauf die Geschichte aus der eigenen Perspektive erzählt. Es werden die Erzähl- und Zeitstränge miteinander verwoben, so erhält der Leser einen umfassenden und breitgefächerten Einblick in die verschiedenen Leben, bzw. Geheimnisse der Protagonisten Lily, Elodie, Edward und dessen Schwester Lucy, die erst zuletzt eine tragende Rolle in der Geschichte erhält. 

Erwähnenswert ist, dass Elodie, die in der Gegenwart erst die Geschichte zu Tage befördert, auch ihr Päckchen zu tragen hat. Die kurz bevorstehende Hochzeit, bzw. die damit verbundenen Vorbereitungen und ihre planungswütige Schwiegermutter, bringen sie dazu, sich mit dem frühen Tod ihrer Mutter auseinander zu setzen. Wer war sie? Wer war der geheimnisvolle Mann, der beim Unfall mit ihm Wagen saß? Und sollte Elodie nicht einfach versuchen aus dem großen Schatten ihrer berühmten Mutter zu treten? 

Fazit: Die Tochter des Uhrmachers

Ich habe dieses Buch in jeder freien Minute gelesen. Ich hatte diesen dicken Brocken von über 600 Seiten sogar in meiner Handtasche dabei, wenn ich tagsüber unterwegs war, um bloß nicht aus dem Flow zu kommen und irgend etwas zu verpassen.

Kate Morton hat mich bereits nach den ersten Seiten wieder total in den Bann der englischen Landschaft gezogen. Sie beschreibt nicht nur die Gegend so detailgetreu, dass der Leser das leichte Rauschen der Themse hört, die Fassade von Birchwood Manor mit seinen Geheimnissen sieht, sondern auch in die Gruppe Protagonisten integriert ist, die die tragischen Ereignisse der damaligen Zeit erlebt. Gelegentlich bekam ich sogar eine leichte Gänsehaut, wenn ich mir das Setting zu genau vorstellte und in die Szene eintauchte. Das gelingt definitiv nicht jedem Autor. 

Ich hatte zu Beginn allerdings Probleme mit den verschiedenen Namen und Zusammenhänge der Geschehnisse in den verschiedenen Erzählsträngen und Zeitaltern. Der Wechsel der Perspektive, bzw. des Erzählers, führten dazu, dass ich erst nach einiger Zeit die Personen und deren Beziehungen untereinander korrekt zuordnen konnte. Das schmälerte zunächst das Leseerlebnis tatsächlich ein wenig. Außerdem hätte ich mir gewünscht, dass Elodies persönliche Geschichte noch mehr am Ende aufgelöst wird, bei all´den Geistern und Verstorbenen Charakteren wäre ein Happy-End in der Gegenwart für mich schön gewesen. 

Dieses Buch ist ideal für graue, neblige Herbst- oder Wintertage, ein echter Pageturner. Spannend, emotional, mystisch- ein absolut gelungener Roman.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s