Kleine Feuer Überall Celeste Ng Buchcover Buch

Frauenroman: Celeste Ng – Kleine Feuer überall

Kein Roman wie jeder andere

Ich bin tatsächlich mehrfach über den Roman gestolpert. Zunächst weil ich irgendwo gelesen habe, dass Reese Witherspoon ihn verfilmen will. Da ich ein großer Fan bin, und sie ja selbst sympathischerweise einen Onlineleseclub betreibt, habe ich recherchiert und konnte zunächst damit nichts anfangen. Zu dem Zeitpunkt war auch keine deutsche Version verfügbar und ganz so oft verirrt sich dann doch kein englisches Original in mein Bücherregal (Vorsatz Nummer 1 für 2019: mehr auf Englisch lesen!). Frau Witherspoon lobte im Vorfeld die „Vielseitigkeit, den eigenen Ton, die spannende Handlung und die Intensität“. Vorschusslorbeeren? 

Autor: Celeste Ng

Verlag: dtv

Bewertung: 4 von 5 Sterne

Wie spricht man denn diesen Nachnamen aus?

Ich bin bisher nicht so häufig in die Verlegenheit gekommen, meinen Nachnamen buchstabieren zu müssen. Das ist schnell getan. Wenn man allerdings „Ng“ heißt, und gefühlt kein Mensch weiß, ob hier nicht noch ein paar Vokale fehlen, um einen sinnvoll erscheinenden Nachnamen daraus zu basteln, ist das zwar etwas komplizierter aber gleichzeitig auch eine sehr gute Publicity. Celese Ng kokettiert übrigens damit auf ihrem Instagram Channel und hat ihn einfach so benannt, wie man den Namen korrekt ausspricht- „Ing“.

Rezension: Kleine Feuer überall

Wer in Shaker Heights lebt, liebt das Planbare, Gesittete, Geordnete. Die Einwohner leben in ihrer gewollten Idylle, die zu Beginn des Romans durch einen Hausbrand gestört wird. Verdächtigt wird ausgerechnet die Tochter der Hausbewohner, die spurlos verschwunden ist. Dazu wirbelt ein Mutter-Tochter-Gespann, dass so gar nicht in die heile Kleinstadtwelt passt, gewaltig Staub unter den Einwohnern auf. Auch, wenn mal wieder mit dem Klischee der „Ach-so-seltsamen-Künstler“ gearbeitet wird, prallen hier so doch tatsächlich zwei gegensätzliche Welten aufeinander.

Unkonventioneller Lebensstil trifft auf Spießertum, Upper-Class auf Arbeiterklasse. Die Autorin hinterfragt hier wieder einmal mehr, ob man sich mit Geld und Ansehen alles „erkaufen“ kann. Steht Geld über Moral? Sind reiche Menschen automatisch mehr ein geeignetes Umfeld für Kinder um glücklicher Aufzuwachsen? Was passiert, wenn die scheinbar heile Welt ins Wanken gerät und jemand das unkonventionelle Leben vorzieht? Wer bekommt eine zweite Chance im Leben und helfen Privilegien dabei?

Gepaart mit Intrigen und Geheimnissen, die Stück für Stück ans Licht kommen, entwickelt sich in diesem Roman eine Geschichte, die die makellose Fassade der Protagonistenfamilie Richardson schnell zum Bröckeln, und schließlich zum Entfachen eines Grossbrandes bringt.

Der Roman beginn mit dem Brand und springt schließlich in die Vergangenheit, um die Puzzleteile der Handlung zusammenzusetzen. Ich war so schnell in der Geschichte, hatte aber nach dem rasanten Einstieg dennoch zunächst so meine Mühe dranzubleiben. Erst ab der Mitte des Romans wollte ich ihn nicht mehr weglegen. Ich mag die von Reese Witherspoon beschriebene „Vielseitigkeit“ der Story, man interpretiert automatisch sehr viel Gesellschaftskritik und zwischenmenschliche Beziehungen hinein, vergleicht mit den eigenen moralischen Ansprüchen und sympathisiert mit der ein oder anderen Romanfigur. Tatsächlich zeichnet Celeste Ng in „Kleine Feuer überall“ sehr feinsinnig die Charakterzüge der handelnden Personen.

Insgesamt ein unterhaltsamer Roman, der viele Fragen aufwirft, den Leser fordert und berührt.

 

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