Highway to Heaven Katharina Bivald Buchcover Rezension The Booklettes

Frauenroman: Highway To Heaven

Was für ein schweißtreibender Sommer! Aber ich will mich nicht beschweren, denn wie wir ja wissen, ist es bis zu meinem eigentlichen Urlaub noch eine gefühlte Ewigkeit hin und ich  freue mich über jede Ablenkung und Zeitvertreib, meistens natürlich in Buchform. Also packe ich mich bei jeder Gelegenheit in ein schattiges Eckchen,  natürlich inklusive Lektüre und einem Wasservorrat, der für ein ganzes Dorf reichen würde.

Diesmal versprach der Buchtitel schon eine Menge. „Highway to Heaven“ könnte auch eine kitschige Romanverfilmung sein, die Sonntagabend im Fernsehen läuft, besetzt mit den üblichen Verdächtigen: gescheiterter Soap-Darsteller, ehemaliges Starlett, eine verkannte Charakterdarstellerin und der gealterte Schönling. Ganz so vorhersehbar ist die Handlung des Romans dann aber doch nicht gewesen. Wie es mir gefallen hat, lest ihr hier. 

Genau, wie auf dem Buchcover, stelle ich mir die Kleinstadt vor, in der Protagonistin Anette lebt. Irgendwo im Nirgendwo in Schweden. Jeder kennt jeden, es gibt nur das Nötigste und Tratsch verbreitet sich rasend schnell.

Kein Wunder, dass also jeder weiß, dass Emma, Anettes Tochter, jetzt in der Ferne auf die Uni geht. Ein riesiger Cut für Anette, die mit nicht mal 40 auf einmal ihr Leben wieder organisieren muss- und das völlig neu, ohne Rücksicht auf die Tochter und nur mit Fokus auf sich selbst. Beängstigend! Der Leser ahnt es schon, es folgt eine handfeste Sinnkrise. Wer bin ich? Was will ich noch erreichen? Habe ich überhaupt Hobbies? Was wurde aus meinen Träumen?

Was tut man als Frau in der Midlife-Crisis? Genau, man macht spontan den Motorrad-Führerschein. Mal abgesehen davon, ob das jetzt die sinnvollste Idee ist oder nicht, sie bringt Anette auf andere Gedanken. Ehe sie sich versieht, bekommt ihr Leben eine völlig neue Ausrichtung.  Neue Menschen, neue Aufgaben, neue Herausforderungen.  Und dann wäre da ja auch noch die Sache mit den Männern, die eigentlich schon seit Jahren gar kein Thema mehr waren- zumindest einer liefert ab sofort, dank Anette, Gesprächsstoff für den ganzen Ort.

Es dauert ein wenig, bis man Anette mag. So ging es mir jedenfalls. Anfangs ging sie mir ganz schön auf die Nerven. Alles war so traurig, trist, neu. Die Tochter ist weg und sie bekommt die Krise. Ihr Leben ist mehr als langweilig. Ihr Supermarktjob ist bei Weitem nicht ihre Erfüllung, der Freundeskreis ist quasi fast nicht existent und mit der Tochter verliert Anette die wichtigste Bezugsperson. Ihre Mutter ist an Demenz erkrankt und lebt im Heim. Ja, ich hatte quasi zunächst permanent Mitleid mit der Frau und fragte mich, wie soll es jetzt weitergehen? Wie soll dieses traurige Leben ein ganzes Buch füllen? Wo bleibt denn jetzt die Wendung oder der Spaß? 

Ich will nicht zu viel verraten, aber die lieben Männer schaffen es natürlich auch hier wieder einmal, dass sie das Leben der Frauen auf dem Kopf stellen. Bis dahin zog es sich aber, für mein Empfinden, gewaltig hin. Ein zäher Kaugummi-Leseakt und kein fluffiges Zuckerwatte-Lesen. Ich war zwischendurch auch mehrmals am Überlegen, ob ich das Buch weglege. Irgendwann hatte ich mich aber an Anette gewöhnt und ich wollte insgeheim dann doch wissen, wie es weitergeht.  Ihr beim regelrechten Aufblühen zuzusehen steigert das gute Lesegefühl dann doch ungemein. Nichtsdestotrotz war es für mich kein Pageturner oder das ultimative Buch, das ich diesen Sommer gelesen haben muss. Die Spannung hält sich in Grenzen, einzig die Hoffnung auf ein Happy End hat mich dranbleiben lassen.  Ein Buch, das zwar nicht der Wahnsinn ist, aber ich bin mir sicher, vor allem Mütter, deren Nachwuchs gerade flügge wird, können sich in manche Situationen hineinversetzen und bringen das Emotionale beim Lesen mit, was mir gerade dabei gefehlt hat.

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