Alles kann Liebe muss Buch Roman Buchcover Lesetipp Rezension

Buchliebe: Lesung Katrin Bauerfeind

Cover Katrin Bauerfeind, Alles kann, Liebe muss

(Bildquelle: privat)

Es gibt nicht viele Autoren, die mich von der ersten Sekunde an überzeugen. Katrin Bauerfeind kenne ich, wie wohl die meisten, aus dem Fernsehen.  Dort hat sie Sendungen mit viel Charme und auf Augenhöhe moderiert, dabei war sie mega authentisch und wirkte nicht aufgesetzt und total verkrampft.

Nun ist Frau Bauerfeind vor einiger Zeit unter die Autoren gegangen. Ich bin damals sofort in den Buchladen des Vertrauens gerast und habe mir das gute Stück gekauft („Mir fehlt ein Tag zwischen Sonntag und Montag“). Ich sage es mal so, es war kurzweilig und unterhaltsam, mehr kann man als Leser nicht erwarten.

Warum ich beim aktuellen Buch ganz kurz Tränen in den Augen hatte, und wie mir die Lesung in Erfurt gefallen hat, lest ihr in diesem Bericht.

Die erste Reaktion, wenn ich gesagt habe, auf wessen Lesung ich gehe, war immer: „Wer?“ Ja, ich gebe zu, bei dem Namen klingelt es nicht gleich bei jedem, aber zeigt man dann ein Bild, heißt es immer „Aaaaah, klar!“ Ob man Katrin Bauerfeind am Ende nun wirklich kennt oder nicht, ist ja erstmal wurscht. Fakt ist, ich mag sie. Im Fernsehen, im Internet, als Autorin. Vom ersten Moment an, als ich sie gesehen habe, und auch nach wie vor, wenn ich ihre Bücher lese, bilde ich mir ein, dass wir uns privat sehr gut verstehen würden.

Ich habe vor ein paar Jahren eine Lesung von ihr in Erfurt besucht. Damals in einer Lokalität mit sehr wenig Charme, wenn überhaupt maximal mit sehr, sehr viel DDR-Charme. Den Gästen war das egal, die Stimmung war super. Es wurde viel gelacht und mit dem Publikum interagiert, ich hatte nach wie vor das Gefühl „Katrin, ich mag dich!“ Das wurde sogar noch verstärkt, als ich nach der Lesung noch ein paar Minuten mit ihr plaudern konnte, wobei ein leider sehr (für mich) unvorteilhaftes Foto von uns beiden entstanden ist. Darum habe ich mich sehr gefreut als ich gelesen habe, dass sie wieder nach Erfurt kommt. „Ha! Super! Neues Buch, neue Lesung, neue Fotochance!“ Nach sehr dezenten Hinweisen meinerseits, wurden mir tatsächlich (und wahnsinnig überraschend, hust!) Tickets für die besagte Lesung geschenkt. Ich hatte mir natürlich vorher total investigativ das aktuelle Buch besorgt und gelesen.

Kaffeefahrt- und Heizdeckenverkaufsstimmung

Ich gebe zu, ich bin ein Gewohnheitsmensch. Veränderungen bringen mich meistens erst einmal aus der Fassung. So war es schon jetzt für mich seltsam, dass die Lesung an einem anderen Ort stattfand, als beim letzten Mal. Gefühlt größer und bei weitem nicht mehr so intim. Keine Sorge, einen gewissen Retrocharme gibt es auch dort, allerdings war nicht wie üblich alles in Reihen bestuhlt mit Blick zur Bühne, sondern an Tischen, die seitlich zur Bühne standen. D.h. man musste sich irgendwann von einer gesunden Halswirbelsäule verabschieden und sich irgendwie drehen, um Frau Bauerfeind auch mal anzuschauen. Dabei saß man mit einigen sehr wild zusammengewürfelten Menschengrüppchen am Tisch, die vor der Veranstaltung noch schnell ein überteuertes Schnitzel runterschlangen und es so auch später permanent nach einer Mischung aus Aperol und Bratfett im Saal roch. Durch diese seltsame Haltung und Tischzusammensetzung, hatte ich eher das Gefühl, ich bin auf einer Kaffeefahrt und vorn geht gleich die Verkaufsveranstaltung für die Heizdecken los. On top gab es eine gratis Vorstellung der nicht vorhandenen Künste des Beleuchters, der scheinbar ohne Grund während der Lesung so oft die Saalbeleuchtung an- und ausknipste, dass es wirklich irgendwann nervte. Vielleicht hatte er auch ein paar Aperol intus.

Katrin, was war nur los?

Ich habe dann alles ausgeblendet, schließlich habe ich mich seit Monaten auf den Abend gefreut. Frau Bauerfeind kam dann auch auf die Bühne, sehr chic anzusehen, ein paar Sprüche hier, ein paar Witze zur Stadt da. Und dann glitt sie völlig unbemerkt in die Kapitel ihres aktuellen Buches. Das fand ich tatsächlich sehr angenehm, weil sie so nicht immer mit der Nase im Buch klebte, sondern eher, wie bei einer Stand-Up-Comedy-Nummer, viel Blickkontakt mit dem Publikum hatte. Wenn jemand bisher „Alles kann, Liebe muss“ noch nicht gelesen hatte, könnte sogar meinen, dass das gar keine „Lesung“ im üblichen Sinne war. Das Programm ging zwei Stunden, inklusive Pinkelpause. Um mich herum wurde schon gemutmaßt, ob denn nach der Veranstaltung noch eine Chance da sei, ein signiertes Buch zu bekommen-immerhin gab es einen Stand, wo man sich noch schnell das neuste Werk kaufen konnte.

Signatur Buch, Katrin Bauerfeind, The Booklettes

(Bildquelle: privat)

Jetzt hatte ich natürlich einen Vergleich zum letzten Mal. Da ging alles so lockerflockig runter, dass man das Gefühl hatte, man kennt sich ewig und wir sind vom selben Schlag. Diesmal fragte ich mich eher „Was ist denn mit ihr passiert?“ Witzige Kommentare wirkten eher wie auswendig gelernt, es wurde kaum das Publikum einbezogen und wenn, wirkte es auch eher wie schon tausend Mal gemacht. Es fehlte der Spaß! Ich hatte eher das Gefühl, dass sie ihr Programm nunmal abspielen muss, und dann ist auch wieder gut. Wo ist die lockere Katrin geblieben?

Nach der Show ging sofort das Licht wieder an, und schon war die Kaffeefahrt-Atmo zurück. Einige sprangen sofort auf und verschwanden, ich platzierte mich mit einigen hartgesottenen am Buchstand, der mittlerweile leer war- und es auch blieb. Es vergingen 20 Minuten, niemand kam. Ratlose Gesichter. Endlich gab`s die Info:

“ Frau Bauerfeind kommt heute nicht mehr raus.“ Aha. Die Fans waren enttäuscht, mehr Infos gab es nicht. Der Herr, der die Info gab, nahm immerhin noch Bücher mit, die Backstage signiert wurden. Aber sonst: keine Katrin und somit auch keine Chance mein blödes Foto doch noch besser hinzubekommen. Eine Lesung ohne die Chance den Autoren mal kurz zu treffen? Geht es nur mir so oder ist das irgendwie seltsam? Wo bleibt denn da das Besondere? Dann kann ich mir auch Youtube-Videos anschauen.

Fader Beigeschmack

Was bleibt ist die Frage, ob es sich überhaupt gelohnt hat hinzugehen. Es fehlte Flair, ehrlicher Spaß an der Sache und irgendwie ein gutes Gefühl. Jetzt bin ich nach wie vor Fan der Moderatorin und Autorin, aber mein Fanherz hat einen Knacks erhalten. Ich verstehe, dass es sicher Gründe gab, warum Katrin Bauerfeind an dem Tag nicht ganz bei der Sache zu sein schien. Jeder hat mal blöde Tage und Stress und Hunger. Aber wenn ich die anderen Fans da genau so enttäuscht wie mich stehen sah, bin ich mir sicher, dass wenigstens ein kurzes „Hallo“ die maue Performance wieder gut gemacht hätte. Ob ich noch einmal zu einer Lesung gehen würde? Momentan eher nicht. Dafür müsste sie mich erst wieder mit einem guten Buch überzeugen.

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